Dass der neue Header ein Bild von Japan enthalten würde, war angesichts meines nun bereits vor über einer Woche begonnenen Aufenthaltes dort, ja voraussehbar. Hier zu sein entspricht fast ausschließlich genau dem, was für mich gerade richtig ist. Ich kann mit dem räumlichen Abstand zu meiner eigentlichen Heimat sehr gut reflektieren und sich intensiv um meine Japanischkenntnisse zu kümmern, bedeutet einen großen Schritt in die Zukunft. Da ist es nur nahe liegend, dass ich von den vielen bisherig gemachten Fotos, gerade das einer Libelle gewählt habe. Diese können nämlich nur vorwärts fliegen. Das machte sie übrigens zu einem beliebten Symbol der Samurai-Krieger. Sie soll mich in meinem Kampf, den ich im Grunde nur gegen mich selbst kämpfe, daran erinnern, nach Vorne zu blicken. Der Mensch zu bleiben, der ich bin, der zu werden, der ich sein möchte. Glücklich bleiben und – viel mehr noch – werden. Meine Kompassnadel ist auf dieses Land ausgerichtet, auch wenn sie von Gedanken, Erinnerungen, Emotionen gleich dem unsteten Flug der Libelle vibrieren mag. So werde ich weiter fliegen, aber ab und zu verharren und zurück blicken – jedoch nicht um zu erstarren, sondern um zu verstehen.
Eines der faszinierenden Dinge an Japan ist der große und allgegenwärtige Kontrast von Tradition und Moderne. Kleine Schreine findet man zwischen futuristischen Neubauten, farbenfrohe Yukata tragende junge Frauen mit modernen Frisuren sowohl in ultramodernen Shoppingzentren als auch beim Betrachten von Hanabi (Feuerwerk) und so weiter. Hier zählt sehr viel mehr als bei uns in Deutschland das “sowohl als auch” und die alten Zeiten sind hier bei weitem nicht so verstaubt, wie sie es gemeinhin bei uns zu sein scheinen.
Ganz besonders spannend ist dieses Thema dann, wenn traditionell-japanische Ästhetik modern interpretiert wird. Damit befasse ich mich seit geraumer Zeit immer intensiver. Ich habe angefangen, dies visuell festzuhalten und möchte meine erste Entdeckung an dieser Stelle mit euch teilen. Am letzten Freitag stieß ich in Kyôto ganz unerwartet auf ein Haus in der Nähe des Daitoku-ji. Es verwendet moderne Materialien wie Beton und geschliffnen Stein zusammen mit (scheinbar) unbehaltetem Holz als Referenz auf traditionelle Bauweise.
Klar zu erkennen ist die zeitgenössische Architektur, aber auch historische Elemente. Die moderne Struktur wird am Boden mit Schrägen abgeschlossen. Diese findet man bei alten, japanischen Häusern, wo sie aus Bambus die Wände vor Regen schützen. Ein Noren, dessen Kalligrafie und Stofflichkeit in starkem Kontrast zu den Bauspuren des Betons stehen, vervollständigt diese Ästhetik ebenso wie die Hölzer auf dem schmalen Bürgersteig und ein Wasserspiel am Eingang des Restaurants im Erdgeschoss.
Ist es nicht spannend wie scheinbar nahtlos alles ineinander greift? Auf sehr schlichte Weise sind selbst die Farben aufeinander abgestimmt: Heller Stein trifft auf dunkles Holz, kalter Beton auf warmen Stoff, das milde Braun des Bambus auf sattes Grün…
Ja, genießt die Bilder. Finde ich mehr und die Zeit darüber zu berichten, teile ich natürlich gerne mit euch. Bis dahin genieße ich nun erstmal Kanazawa, wo ich die kommende Zeit für meinen Sprachkurs weilen werde.
Jeder, der einmal in einem Hotel übernachtet hat, kennt die Schilder mit Henkel für die Klinke, mit denen man mit der Putzfrau kommunizieren kann. Diese sind nützlich, aber nicht immer besonders ansehnlich mit Knicken versehen… und manchmal weiß man nicht, ob sie beim Schließen der Tür dann nicht herunterfallen und die Reinigungskraft das “Bitte nicht stören!” nicht als “Bitte machen Sie mein Zimmer!” missverstehen wird.
Im “Urbain Hotel Hiroshima” habe ich dafür eine sehr schöne Lösung gefunden: Die Tür ist aus Metall und die Schilder magnetisch und lassen sich so ganz einfach platzieren. Kein Knicken, kein Herunterfallen und die Gestaltung stimmt auch.
Hiroshima. Acht Jahre ist es her, dass ich dort zum ersten Mal war. Vor ein paar Tagen bin ich – diesmal alleine – noch einmal hingefahren um den Friedenspark und das Friedensmuseum erneut zu besuchen. Wie man sich denken kann, war das ziemlich bewegend. Obwohl ich wusste, was auf mich zu kommt, hat mich vor allem der Besuch des Museums so wie des mir bis dato unbekannten Denkmals für die Opfer des Atombombenabwurfes ziemlich mitgenommen. Das Leid einer ungreifbaren Masse bekommt plötzlich ein Gesicht – Einzelschicksale lassen sich verstehen und der allumfassende Schmerz wird ganz plötzlich erfassbar. Ganz eindeutig ist es kein Ort, den man ohne die Möglichkeit einer Schulter zum anlehnen besuchen sollte…
An dieser Stelle möchte ich mich nun aber – an meinen alten Artikel zu diesem Thema anknüpfend – mit den Origmai-Kranichen beschäftigen. Um noch einmal zu erinnern: Die gefalteten Kraniche haben Japan- und weltweit durch das Mädchen Sadako Aufmerksamkeit erhalten. Sie erkrankte Jahre nach der Katastrophe an Leukämie und versuchte, bevor sie daran starb, sich durch das Falten von Kranichen den Wunsch zu erfüllen, weiter leben zu können. Ihr zu Ehren wurde im Friedenspark ein Kinderdenkmal errichtet, um das herum gespendete Kraniche ausgestellt werden.
Diese sind zumeist nicht auf den ersten Blick als solche erkennbar, sondern werden zu langen Schlangen oder zu Bildern zusammengefasst. Es ist immer wieder berührend wenn man sich bewusst macht, wie viel Arbeit von so vielen Händen darin steckt…
Eine für mich (und hoffentlich auch viele andere) interessante Entdeckung machte ich, als ich mir die Enden der langen Kranich-Reihen ansah. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass dort die Papiervögel gerne einfach abfallen, weil das Papier reißt. Die Lösung ist derart einfach: Man beginnt die Schnur mit einem kleinen Gegenstand und fädelt erst dann die einzelnen Elemente auf. Dabei ist der Phantasie keine Grenze gesetzt: Perlen, Knöpfe, Stücke von Strohalmen, Seidenbänder, kleine Kartonecken…
Abschließen möchte ich diesen kleinen Beitrag nun mit zwei weiteren Fotos. Das erste zeigt den goldenen Origami-Kranich, der im Kinderdenkmal hängt und vermutlich (und und hoffentlich – dürfte eine Heidenarbeit sein) nicht wie seine Vorbilder aus Papier gefaltet wurde. (Wurde er nicht, dass sieht man.)
Und hier sieht man einige der kleinen Kunstwerke von Sadako selbst. Sie sind im Friedensmuseum zu betrachten und erstaunlich klein und fein. Es ist interessant zu sehen, welche Muster sie haben. Man sieht, dass die Kraniche nicht aus klassischem Origami-Papier wie wir es heute kennen gefertigt sind, sondern aus Zellophan verschiedenster Verpackungen.
Ich bin heute nicht zum ersten Mal im Ueno-kōen – dem Park des gleichnamigen Tōkyōer Stadtteils – gewesen. Ich kenne ihn im Frühjahr und im Herbst… und immer wieder ist es schön, die riesigen, flächendeckenden Lotuspflanzen auf dem großen Teich zu sehen, aber heute hat es mir wirklich die Sprache verschlagen. Die Lotusblumen blühen! Dicke Knospen und weit geöffnete, erhabene Blütenblätter ragen aus einem Meer tiefgrüner Lotusblätter hervor und strahlen in bezaubernder Pracht. Bei diesem Anblick habe ich verstanden, warum so Viele von dieser Pflanzenart derart begeistert sind und diese im Buddhismus hier immer und immer wieder eine symbolische Rolle spielen!














